Geschichte der Feuerwehr Wasbüttel

Das genaue “Geburtsdatum” der Wehr lässt sich heute leider nicht mehr genau feststellen, weil im Laufe des langen Bestehens und den Wirren der Zeit fast alle Protokolle, Abrechnungen oder vergleichbare Schriftstücke vor 1919 leider verloren gegangen sind. Erste Hinweise auf das organisierte Löschwesen in Wasbüttel gibt ein Brief des Landkreises Gifhorn an den Regierungspräsidenten zu Lüneburg vom 11.01.1902, in dem es heißt: “...Die Gemeinde Kl. Schwülper, Paese, Wilsche und Wasbüttel können eine Pflichtfeuerwehr bilden, wenn auch ohne besondere Abteilungsbildung. Wird meinen Vorschlägen entsprochen entschieden, so wird das Löschwesen im Kreise Gifhorn in völlig ausreichender Weise geregelt sein...” Um die Jahrhundertwende wurde das gesamte Feuerlöschwesen in der preußischen Provinz Hannover neu geregelt. Der Landkreis Gifhorn war nach dem Tod des letzten Celler Fürsten 1705 an das damalige Kurfürstentum Hannover gefallen. Zeugnis über die Neuordnung gibt auch die Untersuchung über die Wehren des Landkreises aus dem Sommer 1902, in der es über Wasbüttel heißt: “Statut, ohne Abteilungen, muss Spritze beschaffen”. Diese Kurznotiz bedeutet: Wasbüttel hat eine Pflichtfeuerwehr ohne besondere Ausbildung der Feuerwehrmänner. Die Gemeinde - sie war bereits damals zuständig für die Ausrüstung der Wehr - muss eine Spritze anschaffen. Diese Kritik nahmen sich die Stimmberechtigten in der Gemeindeversammlung unter Leitung des Vorstehers Hotop wohl zu Herzen. Denn in der “Rechnung über Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde Wasbüttel zwischen den Zeiträumen vom 1.April 1904 bis 1905” heißt es in Artikel VI - leider ohne Datumsangabe:

Rechnun

Übersetzung des ehemaligen Lehrers und Rechnungsführers Kahle
Für Feuerlöschwesen
43. Reisegeld zur Besichtigung der Spritze lt. Quittung
44. An L. Tidow, Hannover, für die Feuerspritze (s. Bild)
45. Eisenbahnfracht für die Spritze
34b. Für das Abholen der Spritze vom Bahnhof Isenbüttel
34c. Miete für den vorläufigen Aufbewahrungsraum der Spritze
34d. 2 Fass Bier bei der Feuerwehrgründung

Sicherlich würden sich in der heutigen Zeit nicht nur die Feuerwehrleute freuen, wenn 2 Fass Bier wie damals 13,- Mark kosteten. Das Kommando der Wehr freut sich heute jedoch über die Buchung 34d., weil sie beweist, dass die Freiwillige Feuerwehr Wasbüttel 1904 oder 1905 gegründet wurde. Nach den Erzählungen älterer Feuerwehrmänner kann aber ziemlich sicher das Jahr 1905 als Gründungsjahr angenommen werden. Für die Gemeinde Wasbüttel war das Entstehen der Freiwilligen Feuerwehr ein bedeutendes Ereignis, auch wenn der Gesetzgeber durch genaue und eng gefasste Bestimmungen Initiativen der einzelnen Wehren einschränkte. Sofort nach dem Kauf der Spritze konnte man die Feuerwehrleute beim Üben beobachten. Das Kommando führte dabei als erster Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Wasbüttel Heinrich Fricke (Spellig). Die Züge I und II hatten die Aufgabe, durch “kräftiges Pumpen der Spritze Wasser zu fördern (pro Minute 50 Doppelhube), die Steiger mussten mit “Leitern, Feuerhaken und Axt am brennenden Gebäude arbeiten” und zumeist auch das Strahl- rohr der Spritze führen. Natürlich gab es vor dem 1. Weltkrieg noch keine elektrischen Sirenen, so dass bei einem Brand oder zu Übungen durch Hornisten die Feuerwehrleute alarmiert werden mussten. Vor dem Weltkrieg hatten u. a. Willi Gastmann und Willi Brandes, nach 1918 u. a. Ernst Franke und Willi Ahrens diesen wichtigen Posten inne. Aber auch während des Einsatzes übermittelte der Hornist die Befehle des Brandmeisters mit dem Signalhorn

Signallied

Befehle des Brandmeisters mit dem Signalhorn

Der erste Feuerwehrführerkursus fand hier gestern Nachmittag im „Deutschen Hause“ statt. 17 von den einundzwanzig freiwilligen Feuerwehren unseres Kreises waren mit 69 Führern vertreten, nämlich Adenbüttel, Ahnsen, Didderse, Gamsen, Gifhorn, Groß-Schwülper, Hillerse, Jembke, Lagesbüttel, Meine, Meinersen, Vordorf, Walle, Essenrode, Isenbüttel, Leiferde, Rolfsbüttel, Wasbüttel, Müden, Fallersleben und Rethen. Hauptmann Henze von der hiesigen Wehr leitete die Versammlung, die in ihren schneidigen Uniformen einen glänzenden Anblick bot, mit begrüßenden Worten ein und nahm sodann den ersten Teil des vom Provinzialverband entworfenen Pensums durch. Weiter folgten interessante Vorträge über „das Feuer und seine Bekämpfung“ und „die Feuerspritze und seine Behandlung“. Die Übungen gingen tadellos von statten. Nach der Rückkehr der Führer in das „Deutsche Haus“ wurde dann noch auf Anregung des Provinzialverbandes ein „Kreisfeuerwehrverband“ gegründet.

Gruppenbild1906

Gruppenbild 1906. Vertreter der FF im Landkreis Gifhorn

Natürlich waren die aktiven Feuerwehrleute auch 1905 bereits gegen Unfälle versichert. Die Versicherungsprämie betrug 39,09 RM/Jahr für die gesamte Wehr. Bei einem Etat von rund 7.000,- RM/Jahr konnte die Gemeinde die Feuerwehr nicht mit Neuanschaffungen überschütten. Deshalb waren der Einbau einer Pumpe auf dem Brunnen an der ehemaligen Molkerei für 299,15 RM im Jahre 1911 und der Kauf zweier Steigerleitern für 92,50 RM im Jahre 1912 für die Wehr die Erfüllung ihrer Wünsche. Zu heißen Diskussionen führte in der Gemeindeversammlung des Ortes der Vorschlag des Landrats vom 20. Juli 1912, dass es “im öffentlichen Interesse wünschenswert ist, dass der Gutsbezirk Martinsbüttel mit der Gemeinde Wasbüttel einen Zweckverband zur gemeinsamen Durchführung der Polizeivorschriften über das Feuerlöschwesen bildet”. Zahlreiche Briefe wechselten zwischen dem Gutsbesitzer von Schwarz und der Gemeinde, bevor vom Gutsbesitzer die Bedingungen der Gemeinde und der Wehr anerkannt wurden:
  1. Die Gutsgemeinde Martinsbüttel zahlt zu der Feuerwehrspritze, welche von Wasbüttel vor einigen Jahren angekauft worden ist, einen einmaligen Zuschuß von 250,- RM.
  2. Sind 8 - 10 geeignete Leute von Martinsbüttel von dem jeweiligen Besitzer oder dessen Stellvertreter als Feuerwehrleute in Vorschlag zu bringen ...
  3. Die Uniform soll von der Gemeinde angeschafft werden und verbleibt Eigentum derselben ...
  4. Die zur Unterhaltung der Spritze und Geräte entstehenden Unkosten sollen, sobald vorstehender Beschluss vom königlichen Landratsamt genehmigt ist, nach dem Gebäudesteuergesetz aufgebracht werden.


Am 1. Juni 1912 wurde der Feuerlöschverband Wasbüttel-Martinbüttel vom Landrat genehmigt und bewährte sich viele Jahre. Als 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach und über vier Jahre andauerte, galt es für die älteren und ganz jungen Feuerwehrleute, die nicht als Soldaten dienten, mit dem vorhandenen Löschmaterial vorsichtig umzugehen. Neuanschaffungen waren in diesen schweren Jahren, in denen selbst die Nahrungsmittel und privaten Verbrauchsgüter äußerst knapp wurden, nicht möglich. Über einen Brand in Isenbüttel aus dieser Zeit, der zu einer kurzfristigen Verstimmung zwischen den benachbarten Wehren führte, soll hier berichtet werden: Auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle bei der Reichsbahn kam der damals 16-jährige Ernst Franke gegen 4:30 Uhr durch Isenbüttel und bemerkte einen Scheunenbrand. Rasch entschlossen kehrte er nach Wasbüttel zurück und alarmierte seine Kameraden, die an der Brandstelle eintrafen und mit dem Löschen begannen. Nun erst wurden die Isenbütteler Feuerwehrleute benachrichtigt, die - wer könnte es nicht verstehen - voller Zorn auf den jungen Franke und die Wasbüttler Wehr bei der Brandbekämpfung halfen. Bald nach dem Krieg wurden die Wasbütteler Feuerwehrleute wieder aktiv, gliederten die einzelnen Abteilungen neu und übten für den Ernstfall. Die Revision der Wehr durch den damaligen Kreisbrandmeister A. Henze am 27. September 1920 enthält interessante Einzelheiten:

Einwohnerzahl: ca. 340 Einwohner
Gemeindevorsteher: Fette
Hauptmann der Wehr: Glindemann, Heinrich
Zahl der Mannschaft: 42 darunter 4 Steiger
Wasserverhältnisse: Eine größere, fast neue Spritze, Zylinderweite 11 cm, ca. 150 m Druckschläuche, Weite 8 cm, 2 Steiger-leitern
Alarm: Durch Hornsignal
Besonderes: Die Wehr besitzt Metz´sche Schlauchverschraubungen. Die Schläuche können mit denen der Nachbargemeinden verbunden werden.

Beuteilung

Die Beurteilung des Kreisbrandmeisters über die Wasbüttler Wehr hätte wohl kaum besser ausfallen können

Die Belohnung für den guten Leistungsstand erfolgte prompt: 1921 erhielt die Wehr verschiedenes Löschmaterial für 153,- RM, 1922 wurde der Löschbrunnen mit einem Zaun gesichert. Aus der Höhe der Versicherungsprämie für die Wehr kann sehr gut die wirtschaft- liche Not Deutschlands in den folgenden Inflationsjahren abgelesen werden:
  • Prämie 1922: 95,40 Reichsmark
  • Prämie 1923: 25.750.000,00 Reichsmark
  • Prämie 1924: 87,50 Reichsmark

Mit der Einführung der Rentenmark (1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark) begann die allmähliche wirtschaftliche Gesundung Deutschlands. Die Gemeinde hatte jedoch erst 1926 wieder genügend Geld, um dringend benötigte Wasserschläuche für 86,- RM bei der Fa. Schulze in Gifhorn für die Wehrzu kaufen. Auch in den folgenden Jahren war man äußerst sparsam und beschränkte sich auf die Ausführung der notwendigsten Reparaturen

Gruppenbild1926

Gruppenbild 1926 vor der ehemaligen Molkerei an der Hauptstraße

Ihren guten Leistungsstand konnte die Wehr 1928 beweisen, als im Wohnhaus des Landwirtes Karsten ein Feuer ausbrach. Zwar konnte das Fachwerkhaus nicht vor der Zerstörung gerettet werden, doch wurde ein Übergreifen der Flammen auf die angrenzenden Stall- und Scheunengebäude verhindert. Die Kontakte zu den benachbarten Wehren, besonders zu den Kameraden in Isenbüttel, waren erfreulich gut. So nahmen Wasbüttler Feuerwehrleute im Januar 1928 an einem Vergnügen in Isenbüttel teil. Die Isenbütteler Wehr beteiligte sich daraufhin am 31. August 1930 mit einer großen Abordnung am Feuerwehrfest in Wasbüttel, mit dem das 25-jährige Bestehen der Wehr gefeiert wurde. Besonders an die “schönen Feuerwehrbälle” der zwanziger und dreißiger Jahre erinnern sich die älteren Bürger unserer Gemeinde noch heute gern. Am Nikolaustag 1931 stürzte in einem Wirbelsturm die hölzerne Bockwindmühle an der Landstrasse nach Ohnhorst zusammen. Bei den Aufräumungsarbeiten halfen die Wasbütteler Feuerwehrleute fleißig mit. Viele bedauerten schon damals, dass dieses Wahrzeichen des Ortes zerstört worden war. Zwar wurde der Mühlenbetrieb wieder aufgenommen, doch trieb in dem neu errichteten Steingebäude nun ein Dieselmotor die Mahlsteine an.

Zu Beginn des Jahres 1932 löste Otto Lütje als Hauptmann der Feuerwehr Heinrich Glindemann ab, der dieses Amt seit 1921 bekleidet hatte. An diese Brandmeister denken die älteren Kameraden noch heute gern zurück. Waren beide doch nach Übungen oder Einsätzen recht großzügig und luden die Feuerwehrleute auf eigene Kosten stets zum “Durstlöschen” ein.

Die Machtergreifung Hitlers 1933 brachte im Löschwesen bald eine Neuerung. Neben den bestehenden freiwilligen Wehren traten Pflichtfeuerwehren, denen sich alle wehrfähigen Bürger anzuschließen hatten. Sie waren jedoch den freiwilligen Wehren untergeordnet und hatten hinter den uniformierten Feuerwehrleuten anzutreten. Wenige Monate vor Ausbruch des 2. Weltkrieges feierten die Wasbütteler Feuerwehrleute am 11. Februar 1939 noch einmal ihr beliebtes Wintervergnügen. 411,02 RM bezahlte Kassierer Fritz Salge für Essen, Getränke, Musik, Stagma (=Gema) und Verlängerung der Polizeistunde. Mit Beginn des Polenfeldzuges wurden die jungen wehrfähigen Feuerwehrleute, so fern sie nicht gerade ihren Wehrdienst ableisteten, zur Reichswehr eingezogen. Auf das Leid, von dem viele Familien während des Krieges betroffen wurden, weisen zwei Rechnungen der Aller-Zeitung über Nachrufe für gefallene Feuerwehrkamera den aus dem Sommer 1940 hin. Während des Krieges hatten nachts je zwei Feuerwehrleute Brandwache zu gehen und dabei gleichzeitig die Verdunkelung der Wohnhäuser zu kontrollieren. Die in Wasbüttel verbliebenen Feuerwehrleute wurden am 7.11.1941 zu einem Brand nach Ohnhorst gerufen, den spielende Kinder verursacht hatten. Bei den Löscharbeiten überflogen alliierte Bombenflugzeuge den Ort, ohne jedoch - wie die eingesetzten Feuerwehrleute befürchteten - ihre todbringende Last abzuwerfen. Wasbüttel selbst blieb während des gesamten Krieges von Bombentreffern verschont, obwohl es zwischen dem häufig bombardierten Volkswagenwerk Wolfsburg und der mehrmals angegriffenen Stadt Braunschweig liegt.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, der über alle beteiligten Länder unendlich großes Elend brachte, hatten die arbeitsfähigen Männer in den nahen Großstädten Aufräumungsarbeiten zu leisten. Bei diesen sogenannten Trümmereinsätzen wurde eine elektrische Dachsirene und eine DKW-Motorspritze mit Wagen, den eiserne Panzerräder trugen “organisiert”. Die zentnerschwere Sirene wurde 1946 auf das Dach beim späteren Brandmeister Werner Bartsch montiert; die Motorspritze ersetzte die 1905 von der Gemeinde gekaufte Pumpspritze. Allerdings war es nicht ganz einfach, diese schwere Spritze zu ziehen, zumal an den Wagen nachträglich noch einige Sitzplätze angebaut worden waren. Erst als Wilfried Fricke einen Porschetrecker besass, der - heute nahezu unglaubliche - fast 50 km/h fuhr, waren die Transportprobleme gelöst und die Wehr meist als erste am Brandort.

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Bild zeigt die “schnelle” Wasbütteler Wehr mit Porschetrecker und “organi- siertem” Spritzenwagen vor dem alten Gerätehaus an der Ecke Schul-/Hauptstrasse 1951

Gruppenbild51

Gruppenbild 1951
Ihre erste große Bewährungsprobe hatte die Motorspritze am 2. Weihnachtstag 1949 beim Brand von Wohnhaus und Stall des Weidemannschen Hofes zu bestehen. Nach nur zweijähriger Amtszeit trat Werner Bartsch 1951 als Brandmeister zurück. Sein Nachfolger wurde Rudolf Deneke, der jedoch schon 1953 seinen Posten wieder zur Verfügung stellte. Anlass für diese Rücktritte waren die Auseinandersetzungen zwischen der Gemeinde und der Feuerwehr um deren Ausrüstung. Wilfried Fricke ließ sich nach einigem Zögern schließlich überreden und übernahm am 14. Februar 1953 den damals sicherlich undankbaren Posten des Brandmeisters der Gemeinde. Weiter wurden Anträge zur Verbesserung des Löschwesens an den Gemeinderat gestellt, denen dieser jedoch nur in geringem Maße zustimmte. Regelmäßige Übungen an den drei Hydranten bei Bartsch, H. Weidemann (Wiese) und G. Ente (Baumkampsweg) führten zu einem guten Leistungsstand der Wehr. Anlässlich des 50jährigen Bestehens verzichtete die Wehr 1955 wegen der Differenzen mit der Gemeinde auf ein öffentliches Fest, sondern feierte den Geburtstag mit einem geschlossenen Vergnügen. Nachdem selbst in der Aller-Zeitung 1957 über den ungenügenden Feuerschutz in Wasbüttel berichtet worden war, wurde auf einer Versammlung der Antrag auf Auflösung der Wehr gestellt, falls die Gemeinde das dringend benötigte Löschmaterial nicht zur Verfügung stellt.
Gruppenbild63
Wettkampfgruppe 1963, wohl eher nach dem Wettkampf
HornDie erste Alamierungsmöglichkeit, das Alarmhorn